Schlagwort-Archive: Rio de Janeiro

Saudade! (Sehnsucht!)

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Man, wie die Zeit rennt. Nun bin ich schon ein 3/4 Jahr wieder im heimatlichen Deutschland, aber Rio schleicht sich gedanklich doch recht häufig ein. So muss das auch sein, denk ich mir 😉

Während meiner Zeit in Rio hab ich, begünstigt durch die tolle Wohnlage mit super Dachterrasse, den Cristo mal etwas genauer unter Beobachtung genommen und das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Es war echt was ganz Besonderes, dass ich den Cristo zu jeder Tages- und Nachtzeit im Blick hatte und entsprechend dokumentieren konnte. Eins meiner Highlights!

So here it goes:

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Ein Resümee

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Nach 7 Monaten hier in Rio schleicht sich seit den letzten Tag immer wieder die Frage in den Kopf was denn nun der Sinn meines Aufenthaltes war. Was habe ich hier gelernt? Mir ist viel durch den Kopf gegangen. Es gibt unheimlich viele positive Seiten von Rio de Janeiro. Allen voran die lebenslustige und energiegeladene Lebensweise der Carioca. So etwas habe ich noch nie erlebt und sie hat mich völlig überrumpelt und mitgerissen. Das ist mein größtes Geschenk was ich mit nach Hause nehme und teilen möchte. Ich habe mich als Botschafterin gefühlt als ich hierher gekommen bin, und wollte unsere neue Generation aus Deutschland vorstellen, die sich endlich von der Vergangenheit lösen und wieder einen Nationalstolz entwickeln möchte. Deshalb fand ich es selbst auch nicht schlimm als sie sagten ich wäre so überhaupt nicht deutsch. Ich fand es interessant am eigenen Leib zu erfahren das sie uns für ziemlich lebensunlustig halten. Und ich kann den Punkt auch nicht so ganz zurückweisen. In Brasilien herrscht eigentlich in der Mehrheit die Einstellung das Glas sei halbvoll und nicht halbleer. In der Zeit hier, habe ich auf Spiegelonline einen Artikel gelesen der sich mit dem Thema befasste „der Deutsche hätte verlernt zu genießen“. Der Brasilianer auf jeden Fall nicht. Wobei ich sagen muss das es hier auch nicht allzu schwer ist bei den Wetterbedingungen. Wir haben hier gerade Winter, allerdings ist der Winter hier sogar schöner als unser Sommer. Es gibt aber zwei Dinge die dieses wunderbare Bild extrem ins wanken bringen. Das ist zum einen der Sicherheitsfaktor. Man ist durch Metallgitter in den Häusern eingesperrt und es gibt zusätzlich noch einen Wachdienst (24h). An Berlin ist für mich einer der schönsten Aspekte das ich mich auch als Frau nachts alleine in der Stadt bewegen kann. Ich freue mich schon darauf diese Freiheit wiederzugewinnen und bin gespannt wie lange es vor allem dauert hier angenommene Verhaltensweisen abzulegen.

Die zweite Sache die mich stört ist das hiesige Bildungssystem. Seit 2 Monaten sind die öffentlichen Universitäten im Streik. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Auch bei einigen (ich bin mir nicht sicher ob alle dabei sind)  öffentlichen Schulen wird gestreikt. Kopfrechnen ist teilweise ein echtes Problem. Und wer eine Fremdsprache lernen möchte der muss einen Privatkurs machen, es gibt zwar Englischunterricht der beschäftigt sich aber mit so einfachen Sachen, das ein Gespräch auf Englisch nicht wirklich möglich ist. Ich habe diese Woche am Welttreffen der Studentischen Unternehmensberatungen JEWC in Paraty teilgenommen. Da Brasilien aber nun doch ziemlich weit weg ist von Europa waren die Brasilianer doch ein kleines bisschen in der Überzahl. Es waren 2300 Teilnehmer, davon 22 Ausländer. Was ich aber eigentlich sagen wollte, ich war überrascht wie schlecht die Bildungselite Englisch spricht. Die meisten Veranstaltungen waren auf Portugiesisch aber einige auch in Englisch. Dafür gab es extra eine Synchonisation ins Portugiesische. Auch unsere Ausländer die kein Portugiesisch konnten meinten der Kontakt in Englisch sei nicht immer einfach gewesen. Lustigerweise habe ich viele Brasilianer kennengelernt, die Deutsch sprechen, gerade ein Auslandssemester in Deutschland gemacht haben oder es demnächst planen. Wirtschaftlich gesehen hat Deutschland einen unheimlich guten Ruf gerade unter den jungen Brasilianern. Irgendwie schon wieder vom Thema abgekommen. Die Konzentration fällt mir doch ein bisschen schwer. In 24h sitze ich schon am Flughafen und fliege nach 7 Monaten Brasilien wieder nach Hause. Um den Kreis wieder zu schließen: Ich fühle mich auch auf dieser Reise wieder als Botschafterin. Das erlebte möchte ich unbedingt mit euch teilen, weil es mein Leben unheimlich bereichert hat. Ab und zu denke ich daran zurück das ich vor einem Jahr noch den Plan hatte nach Schweden zu gehen für ein Semester und wo bin ich gelandet? Am anderen Ende der Erde. Aber ich bereue es wirklich nicht!!!

Und jetzt zum letzten mal zum Forró nach Lapa

Até logo Cidade maravilhosa!

Ein Ausflug im Teleférico do Alemão

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Schon seit einiger Zeit wollte ich diesen Ausflug machen und heute hat sich netterweise die Gelegenheit dazu ergeben. Eine Fahrt mit dem Teleférico do Alemão. Eine Seilbahn die verschiedene Favelas des „Complexo do Alemão“ verbindet und Verkehrsmittel für die Bewohner ist. Deshalb ist es auch für unsere Verhältnisse sehr günstig mit dieser Seilbahn zu fahren. Nur 1Real, umgerechnet nicht mal 50Cent kostet eine Fahrt. Dauer ca. 25Min mit insgesamt 5 Stationen. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie die Favelas tatsächlich von innen aussehen. Ich wollte gerne Rio auch noch mal von der anderen Seite sehen, die nicht so privilegierte Bevölkerung und es ist wirklich erschreckend wie hier gelebt wird. Es ist ziemlich dreckig und verfallen. Von weitem sehen die Favelas immer so nett und bunt aus, aber der Schein trügt eben. Was aber schön zu sehen ist, sind die ganzen Drachen die hier steigen gelassen werden(ist das korrektes Deutsch). Die Kinder und auch teilweise Erwachsenen stehen z.B auf dem Dach und lassen den Drachen steigen. Bei unserer Tour musste der Teleférico zweimal halten, weil sich ein Drachen in der Seilbahn verheddert hatte, das scheint hier nicht weiter ungewöhnlich. Was ich toll fand, das es auch für „Touristen“ möglich ist diese Seite von Rio zu sehen. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen und auch die Einheimischen die mit uns in der Gondel gefahren haben eine Steigerung der Lebensqualität durch die Pazifikation erwähnt.

Manifestação com Greenpeace

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Wie alle Welt weiß ist ja gerade Rio+20 im Gange und genauso weiß auch jeder, dass natürlich nur Müll dabei rauskommen wird. Kein Geheimnis. Also raus auf die Straße Leute. Deshalb habe gestern auf ner Mega Demo im Stadtzentrum mitgemischt. Es waren ganz viele unterschiedliche Veranstalter und ich war bei den Greenpeacern mit dabei. Was für eine ungeheure Energie die haben!!! Die sind die zwei Stunden die ich mit ihnen unterwegs war nur am schreien, singen, springen und tanzen. Überwältigend und ich habe auch keine andere Gruppe gesehen die soviel Energie versprüht hat.

Gruppenarbeit in der Uni – Que horror!

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Gott sei Dank ist die Uni für mich am Dienstag vorbei. Große Erleichterung. Letze Woche habe ich nun zum Schluss nochmal so richtig die Unterschiede zwischen meinen bisherigen deutschen Unierfahrungen und dem Unileben hier kennengelernt. Ich war leider dazu gezwungen einige Gruppenarbeiten zu machen. Das mach ich auch echt nicht nochmal!!! In der einen Gruppe hatten wir gestern die Präsentation dazu und ich muss sagen ich mich noch nie so geschämt. Ein Gruppenmitglied war zwar überwiegend im Unterricht da während des Semesters, allerdings nur körperlich. Der Kopf lag immer auf den Armen, welche auf dem Tisch lagen, die Augen geschlossen. Also entsprechend viel hat die Tante auch mitbekommen vom Stoff. Der andere Kommilitone schien einigermaßen was mitbekommen zu haben, aber insgesamt lässt die Arbeitsmoral hier sehr zu wünschen übrig. Gemeinsam arbeiten an der Aufgabe tut man sowieso nicht und erreichbar ist man auch nur alle drei Tage mal und die Abgabe interessiert einen schon gar nicht, geschweige denn den Anforderungen der Aufgabe zu entsprechen. Also absolute Katastrophe. Die Folien der Präsentation waren dann doch die alten und nicht die von mir überarbeiteten und enthielten falsche Informationen. Wer welchen Teil in der Präsentation hält wurde vorher auch nicht abgesprochen, naja irgendwann wird wohl jeder mal zu Wort kommen!!! Ich habe meinen Frust während der Ausarbeitung der Aufgabe allerdings auch nicht hinter dem Berg gehalten. Das muss für die allerdings hier ungewöhnlich sein, denn in meiner anderen Gruppe lief es nur unwesentlich besser und Sven, ein anderer deutscher Austauschschüler erzählte mir gestern, dass er die gleichen Erfahrungen in seinem Studiengang gemacht hat. Er, genauso deutsch wie ich hat seine Unzufriedenheit auch geäußert und hat sich daraufhin abfällige Bemerkungen eingefangen, er würde die brasilianische Kultur eben nicht verstehen. Mag sein, aber ehrgeizig genug sind wir, dass wir uns den Notenspiegel trotzdem nicht völlig ruinieren wollen.

Vom ersten Gruppenarbeitserlebnis traumatisiert habe ich in der anderen Gruppe jetzt einfach das Kommando übernommen, den Gruppenmitgliedern einfach per Mail die Aufgaben zugeteilt und basta. Das scheint zu helfen, jedenfalls habe ich zwei Rückmeldungen erhalten, dass sie das machen werden, aber aufatmen kann ich erst, wenn das am Dienstag über die Bühne ist! Bei dem anderen Kurs habe ich mich übrigens ganz unkollegial beim Lehrer über das katastrophale Ergebnis beschwert, so dass er mir angeboten hat nochmal bis nächste Woche eine Einzelarbeit einzureichen. Schlechter kanns nimmer werden.

Was ich aber am schockierensten fand und da musste mir Sven leider auch wieder zustimmen, dass das intellektuelle Niveau einfach ein anderes zu sein scheint(ich kann allerdings nur von der PUC Rio sprechen, private Uni!). Man hat das Gefühl das hier einfach nicht nachgedacht wird, oder das sie es einfach nicht können. Das den Brasilianern der kritische Blick fehlt habe ich schon mehrfach festgestellt. Sachen zu hinterfragen mag besonders in der deutschen Kultur verwurzelt sein, aber ich hoffe es entwickelt sich hier ein bisschen in diese Richtung durch den Sprung in die 1. Welt.

Aber nicht alles war doof. Eine Gruppe hat mich auch mehr oder weniger mitgeschleift. Die zwei Mädels wollten selber auch gute Noten haben und haben deswegen wohl lieber auf meine Mitarbeit verzichtet (mangels Portugieseischkenntnissen) 😉 , sodass ich am Ende nur mit ihnen präsentieren musste, was auch ganz gut lief.

Insgesamt muss ich sagen das mich der Anspruch ans Studium an der PUC Rio doch enttäuscht hat, vor allem aber auch die Mitstudenten, die ein hochnäsiges Volk sind (Entschuldigung für die Offenheit, aber hier darf Ichs ja sagen) und überwiegend kein besonderes Interesse am Wissenszuwachs haben. Trotzdem freue ich mich das ich durch die PUC ein wunderbares halbes Jahr in Rio verbringen durfte, denn das will ich nun wirklich nicht missen!

Busunfall mit 5 Toten

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Ich habe ja schon mehrfach über die fürchterliche Fahrweise der Busfahrer hier in Rio berichtet und vorgestern Abend ist es leider zu einem katastrophalen Unfall gekommen. Der Bus ist von der Straße abgekommen, auf den Bürgersteig und dort in eine Gruppe von ca. 100 Leuten gerast, die an der Bushaltestelle gewartet haben (um 21.40h). Dabei sind fünf Menschen getötet worden und 21 verletzt. Die fünf Opfer sind zwei 14jährige, eine 24jährige und eine 33 Frau, und ein 34jähriger Mann. Echt schlimm. Vor allem weil ich mir das absolut vorstellen kann, wie das passiert ist bei der Fahrweise der Busfahrer. Unfassbar ist allerdings wie die Busgesellschaft damit umgeht. Eine der verletzen Fahrgäste behauptet das der Unfall durch Fahrlässigkeit des Busfahrers verursacht wurde, was wie gesagt meiner Meinung nach mehr als wahrscheinlich ist. Der Busfahrer sei viel schneller gefahren, als das Tempolimit erlaubt (was hier teilweise in der Stadt schon bei 70km liegt) und hätte auch nur mit einer Hand gesteuert. Deswegen habe er die Kontrolle verloren. Die Busgesellschaft „vermutet“ das ein unbekanntes Fahrzeug den Bus gerammt habe. Aber mitgekriegt hat davon niemand etwas. Außerdem hat der Bus (nicht der Busfahrer selbst!) seit 2009 schon 22 „Strafzettel“ erhalten, davon sechs wegen überhöhter Geschwindigkeit, drei wegen Nichtbeachtung der roten Ampel(hier nicht ungewöhnlich, besonders unter Busfahrern) und eine wegen Fahren auf der falschen Straßenseite!!! Ich muss aber doch sagen das es ab und zu auch Busfahrer gibt bei denen ich mich sicher fühle und die mal fahren als würde ihnen nicht der Teufel im Nacken sitzen. Aber die sind glaub ich auch schon vom Aussterben bedroht!

(Quelle: Destak Rio)