Schlagwort-Archive: Auslandssemester

Ein Resümee

Standard

Nach 7 Monaten hier in Rio schleicht sich seit den letzten Tag immer wieder die Frage in den Kopf was denn nun der Sinn meines Aufenthaltes war. Was habe ich hier gelernt? Mir ist viel durch den Kopf gegangen. Es gibt unheimlich viele positive Seiten von Rio de Janeiro. Allen voran die lebenslustige und energiegeladene Lebensweise der Carioca. So etwas habe ich noch nie erlebt und sie hat mich völlig überrumpelt und mitgerissen. Das ist mein größtes Geschenk was ich mit nach Hause nehme und teilen möchte. Ich habe mich als Botschafterin gefühlt als ich hierher gekommen bin, und wollte unsere neue Generation aus Deutschland vorstellen, die sich endlich von der Vergangenheit lösen und wieder einen Nationalstolz entwickeln möchte. Deshalb fand ich es selbst auch nicht schlimm als sie sagten ich wäre so überhaupt nicht deutsch. Ich fand es interessant am eigenen Leib zu erfahren das sie uns für ziemlich lebensunlustig halten. Und ich kann den Punkt auch nicht so ganz zurückweisen. In Brasilien herrscht eigentlich in der Mehrheit die Einstellung das Glas sei halbvoll und nicht halbleer. In der Zeit hier, habe ich auf Spiegelonline einen Artikel gelesen der sich mit dem Thema befasste „der Deutsche hätte verlernt zu genießen“. Der Brasilianer auf jeden Fall nicht. Wobei ich sagen muss das es hier auch nicht allzu schwer ist bei den Wetterbedingungen. Wir haben hier gerade Winter, allerdings ist der Winter hier sogar schöner als unser Sommer. Es gibt aber zwei Dinge die dieses wunderbare Bild extrem ins wanken bringen. Das ist zum einen der Sicherheitsfaktor. Man ist durch Metallgitter in den Häusern eingesperrt und es gibt zusätzlich noch einen Wachdienst (24h). An Berlin ist für mich einer der schönsten Aspekte das ich mich auch als Frau nachts alleine in der Stadt bewegen kann. Ich freue mich schon darauf diese Freiheit wiederzugewinnen und bin gespannt wie lange es vor allem dauert hier angenommene Verhaltensweisen abzulegen.

Die zweite Sache die mich stört ist das hiesige Bildungssystem. Seit 2 Monaten sind die öffentlichen Universitäten im Streik. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Auch bei einigen (ich bin mir nicht sicher ob alle dabei sind)  öffentlichen Schulen wird gestreikt. Kopfrechnen ist teilweise ein echtes Problem. Und wer eine Fremdsprache lernen möchte der muss einen Privatkurs machen, es gibt zwar Englischunterricht der beschäftigt sich aber mit so einfachen Sachen, das ein Gespräch auf Englisch nicht wirklich möglich ist. Ich habe diese Woche am Welttreffen der Studentischen Unternehmensberatungen JEWC in Paraty teilgenommen. Da Brasilien aber nun doch ziemlich weit weg ist von Europa waren die Brasilianer doch ein kleines bisschen in der Überzahl. Es waren 2300 Teilnehmer, davon 22 Ausländer. Was ich aber eigentlich sagen wollte, ich war überrascht wie schlecht die Bildungselite Englisch spricht. Die meisten Veranstaltungen waren auf Portugiesisch aber einige auch in Englisch. Dafür gab es extra eine Synchonisation ins Portugiesische. Auch unsere Ausländer die kein Portugiesisch konnten meinten der Kontakt in Englisch sei nicht immer einfach gewesen. Lustigerweise habe ich viele Brasilianer kennengelernt, die Deutsch sprechen, gerade ein Auslandssemester in Deutschland gemacht haben oder es demnächst planen. Wirtschaftlich gesehen hat Deutschland einen unheimlich guten Ruf gerade unter den jungen Brasilianern. Irgendwie schon wieder vom Thema abgekommen. Die Konzentration fällt mir doch ein bisschen schwer. In 24h sitze ich schon am Flughafen und fliege nach 7 Monaten Brasilien wieder nach Hause. Um den Kreis wieder zu schließen: Ich fühle mich auch auf dieser Reise wieder als Botschafterin. Das erlebte möchte ich unbedingt mit euch teilen, weil es mein Leben unheimlich bereichert hat. Ab und zu denke ich daran zurück das ich vor einem Jahr noch den Plan hatte nach Schweden zu gehen für ein Semester und wo bin ich gelandet? Am anderen Ende der Erde. Aber ich bereue es wirklich nicht!!!

Und jetzt zum letzten mal zum Forró nach Lapa

Até logo Cidade maravilhosa!

Advertisements

Bis jetzt läuft alles wie am Schnürchen

Standard

Die erste Woche in der Uni ist um, ich habe schon einen Kurs gewechselt, weil mir die Professorin nicht ganz grün war, und muss dafür leider auch einen anderen Kurs noch wechseln, bei dem ich den Professor eigentlich ganz nett finde. Aber da ich hier ja schließlich richtig was auf den Tisch legen muss um an den Kursen teilzunehmen will ich auch was lernen. Insgesamt glaub ich, sind die Kurse ganz gut. Heute habe ich das erste Mal in der Uni was ausgedruckt (jeder Student hat 100 „frei“ -Drucke (die Uni ist ja teuer genug!!!)). Dafür gibt es hier ein lustiges System. Hier wird wohl sowiso viel mehr gedruckt, was überhaupt ein System notwendig macht. Man holt sich erst eine Erlaubnis um sich im riesigen Computerraum (mehrere Räume mit insgesamt vielleicht 120 Computern) anzumelden und schickt dann den Druck los. Dann geht es weiter zum abholen. An der Wand hängt dann ein Bildschirm, der über den Druckstatus Auskunft gibt und hinter dem Holzregal (siehe Bild) sortieren dann Mitarbeiter die Ausdrucke nach Matrikelnr. und heften die Drucke zusammen. Diese kommen dann ins Regal, nummeriert von 0-9 welche für die Endziffer der Matrikelnr. stehen und dann kann sich jeder selbst bedienen. Entsprechend voll war es dann da auch.

Direkt in meinem ersten Unterrichtsfach hatte ich das Glück eine nette Brasilianerin kennenzulernen, Elisa, die mich recht schnell „adoptiert“ hat und am Wochenende war ich dann mit auf der Geburtstagsfeier einer Freundin, wo auch viele andere PUC-Studenten dabei waren. Danach gings dann noch weiter zum tanzen. Das war schon echt klasse, wobei ich festgestellt habe, dass man hier wohl noch nie was von Ohrenschutz gehört hat, mir sind fast die Ohren abgefallen, so laut war es im Club und nächstes Mal muss ich unbedingt an Ohrstöpsel denken.

Eigentlich möchte ich gerne jeden Tag mit dem Fahrrad zur Uni hin und auch zurück fahren, vor allem um das Portemonnaie zu entlasten, allerdings funktioniert das System leider nicht so wie ich mir das wünsche, und oft genug muss ich trotzdem den Bus nehmen, weil man kein Fahrrad entsperren kann. Wobei ich dazu sagen muss, dass das nicht nur an meiner Blödheit liegt ;), sondern den Cariocas nicht anders geht. Beijos.

Die Uni geht los!

Standard

So nu war er endlich da, der erste und heißersehnte Tag in der PUC. Ich war doch überrascht, wieviel ich verstanden habe. Bei dem ersten Kurs (Direção de Arte – ich weiß nicht wie ich das übersetzen soll) ca. die Hälfte, was erstaunlich ist. Bei Marktforschung hab ich vielleicht ein Viertel verstanden. Von meinem Portugiesisch Kurs brauchen wir gar nicht sprechen, der ist ja nun für mein Sprachregel. Auf jeden Fall scheinen meine bisherigen Kurse spannend zu werden. Aber fangen wir mal bei den kleinen Schwierigkeiten an.

Ich musste erst mal den Raum finden für meinen ersten Kurs. Der sollte im 6. Stock sein. Ich also in den mit dem Fahrstuhl in den 5., da der nicht weiter hoch fuhr und dann noch ein Stockwerk gelaufen. Aber den Raum trotzdem nicht gefunden. Also fragen. Dann feststellen, dass das Stockwerk durch eine Mauer getrennt ist und ich wieder ein Stockwerk runter müsste, dort den Flur ganz entlang laufen und dann wieder ne Treppe nach oben. Also los! Dort angekommen war ich mir dann nicht mehr ganz so sicher ob ich richtig bin. Der Flur war sozusagen auf dem Dach und so schmal, dass ich gerade durch passte, könnt ihr unten sehen. Auf jeden Fall hab ich einen Raum mit der passenden Nummer gefunden. Dort hat man sich allerdings über mein Erscheinen gewundert und mir mitgeteilt das ich im falschen Gebäude sei und ich nach gegenüber müsste. Langsam war ich schon ziemlich spät dran. Also die 6 Stockwerke wieder nach unten und über den Campus zum anderen Gebäude. Da die eine Treppe so voller Menschen war dachte ich mir ich nehm einfach die andere. Ob das wohl eine gute Idee war? Also zu Fuß in den 6. Stock (beim Fahrstuhl muss man sich hier in ne Schlange stellen) und feststellen, den Raum gibt‘s hier gar nicht und dann mal wieder aufklären lassen, dass ich im falschen Gebäude sei. Dabei sah es eigentlich so aus, als wärs das richtige, die sind auch äußerlich aneinander gebaut, aber innen kann man halt nicht durch. Na toll. Also zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wie Asterix in dem Irrenhaus wo er von einem Schalter zum nächsten Geschickt wird mit Formular A397b usw. Ich hab mich aber doch wieder auf den Weg gemacht und den Raum endlich im dritten Anlauf erreicht, gemeckert wurde auch nicht weil ich so spät war und dann konnte der Tag losgehen. War trotzdem alles in allem ein schöner Tag. Ach ja mir ist dann noch aufgefallen, warum ich auffallen würde in einem Raum mit Brasilianern. Alle außer mir hatten die Tasche auf dem Tisch (wir waren wohlgemerkt in einem Computerraum, der wenig Platz dafür ließ).

Ansonsten kann ich noch berichten, dass ich heute zum ersten Mal das Fahrradsystem „Bike Rio“ hier genutzt habe. Man kann ein Fahrrad in einer Station in der Stadt entnehmen und in einer anderen Station das Fahrrad wieder abgeben. Dafür braucht man dann einen Account den man im Internet erstellt, fälschlicherweise dachte ich ich bräuchte eine Steuernummer, die ich nun auch habe, was aber gar nicht nötig ist. Aber das Fahrradfahren hier benötigt noch einiger Übung bzgl. des Verkehrs. Ich werd‘s schon hinkriegen. Der Abschlussbericht zum Karneval mit Besuch des Sambódromos folgt noch in Kürze, aber die Bilder müssen erst hergerichtet werden.

Der besagte Flur!

Schwupp, schon sind wir über den Teich.

Standard

Nun ist die Reise über den großen Teich also erledigt. Genau in diesem Moment zwitschert ein Vogel direkt neben meinem Fenster, als würde er schon fast in meinem Zimmer sitzen. Herrlich mal wieder Vögel zu hören. Ich habe schon die ersten Fotos gemacht, obwohl es erst 6 Uhr morgens hier ist. Der Ausblick ist einfach phänomenal. Als ich heute Nacht ankam war ich schon echt überwältigt. Ich wohne direkt am Hang und wenn ich im Bett liege ( oder auch aus dem Fenster schaue), dann sehe ich den Jesus hoch oben über mich wachen. Ich kann euch sagen, dass ist so beeindruckend, es verschlägt mir fast den Atem.

Aber fangen wir mal am Anfang der Reise an. Früh aufstehen ist blöde, das wissen wir alle. Geschafft haben wirs trotzdem und Online Checkin ist echt ne super Erfindung. Ich bin echt überrascht, wie wenig Leute das bis jetzt in Anspruch nehmen. Das hat also alles prima geklappt. In Berlin sind wir pünktlich weggekommen und in London sogar zu früh gelandet. Darüber freut man sich normalerweise wohl, aber ich hatte ja leider nur Aufenthalt, und den auch nicht zu knapp. Überraschend fand ich, dass man nochmal in den Security Check muss in London (hatte ich ja eigentlich schon in Berlin erledigt), und die sind da ein „bisschen“ genauer als bei uns.

Ich hab mich also die folgenden vier Stunden auf dem Flughafen amüsiert. Unheimlich viele Leute unterwegs. Bei meinem Gate allerdings war es echt super ruhig und schön, leider erfährt man das aber erst kurz vor Abflug, sodass ich ausgiebig die Gesellschaft von vielen anderen Reisenden aus aller Welt genießen konnte.

Beim Flug London – Rio sind wir mit 45min Verspätung gestartet, und das obwohl wir alle pünktlich im Flieger saßen. Da saß ich echt auf Kohlen. Schließlich sollte es nach Rio gehen und ich wollte natürlich schnellstmöglich hin und nicht irgendwann. Der Flug war überraschend angenehm. 11,5h, davor hat es mich ein bisschen gegruselt, aber entweder mein Sitzplatz war echt top, oder es ist halt einfach nicht so schlimm, wie man es sich ausmalt. Die Busreise nach London vor einem Jahr war wesentlich unbequemer!

Auf jeden Fall sind wir in Rio gelandet und wie das dann so ist, kommt das eigene Gepäck ja doch immer am Schluss. Aber der Abholservice der Uni hat super geklappt. Ich hab gleich noch zwei Artgenossen (PUC Austauschstudenten) getroffen, die mit der gleichen Maschine gekommen waren, na sowas. Auf jeden Fall mach ich mir jetzt nicht mehr solche Gedanken, was das Portugiesisch angeht. Ich bin nicht die Einzige, die den Sprachkurs in Level 1 belegt. Unserer Fahrer hat sich schon munter mit uns unterhalten, und ich konnte gleich anfangen mit den Lerneinheiten. Und das um zwei Uhr nachts (MEZ) nach einer langen Reise.

Es war spektakulär die Fahrt zu unseren Unterkünften, zum einen natürlich total warm (22°) und dann überall Weihnachtsschmuck, sehr amüsant.

Wohnen tu ich im 10. Stock mit Dachterrasse und Blick wie gesagt auf den Christo. Heute gehts auch schon um acht in der Uni los, zum Alles kennenlernen. Also auf gehts.

Verdrängen is nu nicht mehr.

Standard

Die letzten Tage vor der Abreise brechen an, um genau zu sein, in zwei Tagen bin ich schon fast da. Die letzten Monate sind so schnell vorbei gegangen, ich habe gar nicht mitgekriegt, dass die Abreise schon vor der Tür steht. Jetzt sollte man ans Verdrängen gar nicht mehr denken, sondern den kleinen grauen Zellen lieber gut zureden. Das Kofferpacken ist wahrlich nicht die größte Freude, am Besten wenig mitnehmen und dann dort alles kaufen. Die Hälfte vergess ich sowieso.

Es war ne Menge zu organisieren in den letzten Monaten und inzwischen frage ich mich, wie ich das neben dem Unistress gebacken gekriegt habe, allerdings bin ich ja auch noch nicht angekommen und weiss also nicht an was ich alles nicht gedacht habe. Nu heisst es erstmal alle verabschieden und dann vor allem früh aufstehen. Matthias und ich freuen uns schon riesig darauf am Mittwoch um 04.15h (!!!) aufzustehen und zum Flughafen zu düsen. Ich mach dann erstmal einen Abstecher nach London und guck mir vier Stunden lang den tollen Flughafen Heathrow an, das haben die von British Airways netterweise für mich mit eingeplant, und dann gehts auf schnellstem Wege gen Rio, wo ich hoffentlich dann um 21.50h Ortszeit (00.50h MEZ) ankommen werde. Yippieh endlich mal Sommer.

Die neuesten Nachrichten aus Brasilien gibts ab sofort von mir. Ich würde mich freuen, wenn ihr Lust habt mich in der bombastischen Zeit zu begleiten. Und zwar genau hier.