Gruppenarbeit in der Uni – Que horror!

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Gott sei Dank ist die Uni für mich am Dienstag vorbei. Große Erleichterung. Letze Woche habe ich nun zum Schluss nochmal so richtig die Unterschiede zwischen meinen bisherigen deutschen Unierfahrungen und dem Unileben hier kennengelernt. Ich war leider dazu gezwungen einige Gruppenarbeiten zu machen. Das mach ich auch echt nicht nochmal!!! In der einen Gruppe hatten wir gestern die Präsentation dazu und ich muss sagen ich mich noch nie so geschämt. Ein Gruppenmitglied war zwar überwiegend im Unterricht da während des Semesters, allerdings nur körperlich. Der Kopf lag immer auf den Armen, welche auf dem Tisch lagen, die Augen geschlossen. Also entsprechend viel hat die Tante auch mitbekommen vom Stoff. Der andere Kommilitone schien einigermaßen was mitbekommen zu haben, aber insgesamt lässt die Arbeitsmoral hier sehr zu wünschen übrig. Gemeinsam arbeiten an der Aufgabe tut man sowieso nicht und erreichbar ist man auch nur alle drei Tage mal und die Abgabe interessiert einen schon gar nicht, geschweige denn den Anforderungen der Aufgabe zu entsprechen. Also absolute Katastrophe. Die Folien der Präsentation waren dann doch die alten und nicht die von mir überarbeiteten und enthielten falsche Informationen. Wer welchen Teil in der Präsentation hält wurde vorher auch nicht abgesprochen, naja irgendwann wird wohl jeder mal zu Wort kommen!!! Ich habe meinen Frust während der Ausarbeitung der Aufgabe allerdings auch nicht hinter dem Berg gehalten. Das muss für die allerdings hier ungewöhnlich sein, denn in meiner anderen Gruppe lief es nur unwesentlich besser und Sven, ein anderer deutscher Austauschschüler erzählte mir gestern, dass er die gleichen Erfahrungen in seinem Studiengang gemacht hat. Er, genauso deutsch wie ich hat seine Unzufriedenheit auch geäußert und hat sich daraufhin abfällige Bemerkungen eingefangen, er würde die brasilianische Kultur eben nicht verstehen. Mag sein, aber ehrgeizig genug sind wir, dass wir uns den Notenspiegel trotzdem nicht völlig ruinieren wollen.

Vom ersten Gruppenarbeitserlebnis traumatisiert habe ich in der anderen Gruppe jetzt einfach das Kommando übernommen, den Gruppenmitgliedern einfach per Mail die Aufgaben zugeteilt und basta. Das scheint zu helfen, jedenfalls habe ich zwei Rückmeldungen erhalten, dass sie das machen werden, aber aufatmen kann ich erst, wenn das am Dienstag über die Bühne ist! Bei dem anderen Kurs habe ich mich übrigens ganz unkollegial beim Lehrer über das katastrophale Ergebnis beschwert, so dass er mir angeboten hat nochmal bis nächste Woche eine Einzelarbeit einzureichen. Schlechter kanns nimmer werden.

Was ich aber am schockierensten fand und da musste mir Sven leider auch wieder zustimmen, dass das intellektuelle Niveau einfach ein anderes zu sein scheint(ich kann allerdings nur von der PUC Rio sprechen, private Uni!). Man hat das Gefühl das hier einfach nicht nachgedacht wird, oder das sie es einfach nicht können. Das den Brasilianern der kritische Blick fehlt habe ich schon mehrfach festgestellt. Sachen zu hinterfragen mag besonders in der deutschen Kultur verwurzelt sein, aber ich hoffe es entwickelt sich hier ein bisschen in diese Richtung durch den Sprung in die 1. Welt.

Aber nicht alles war doof. Eine Gruppe hat mich auch mehr oder weniger mitgeschleift. Die zwei Mädels wollten selber auch gute Noten haben und haben deswegen wohl lieber auf meine Mitarbeit verzichtet (mangels Portugieseischkenntnissen) 😉 , sodass ich am Ende nur mit ihnen präsentieren musste, was auch ganz gut lief.

Insgesamt muss ich sagen das mich der Anspruch ans Studium an der PUC Rio doch enttäuscht hat, vor allem aber auch die Mitstudenten, die ein hochnäsiges Volk sind (Entschuldigung für die Offenheit, aber hier darf Ichs ja sagen) und überwiegend kein besonderes Interesse am Wissenszuwachs haben. Trotzdem freue ich mich das ich durch die PUC ein wunderbares halbes Jahr in Rio verbringen durfte, denn das will ich nun wirklich nicht missen!

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Busunfall mit 5 Toten

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Ich habe ja schon mehrfach über die fürchterliche Fahrweise der Busfahrer hier in Rio berichtet und vorgestern Abend ist es leider zu einem katastrophalen Unfall gekommen. Der Bus ist von der Straße abgekommen, auf den Bürgersteig und dort in eine Gruppe von ca. 100 Leuten gerast, die an der Bushaltestelle gewartet haben (um 21.40h). Dabei sind fünf Menschen getötet worden und 21 verletzt. Die fünf Opfer sind zwei 14jährige, eine 24jährige und eine 33 Frau, und ein 34jähriger Mann. Echt schlimm. Vor allem weil ich mir das absolut vorstellen kann, wie das passiert ist bei der Fahrweise der Busfahrer. Unfassbar ist allerdings wie die Busgesellschaft damit umgeht. Eine der verletzen Fahrgäste behauptet das der Unfall durch Fahrlässigkeit des Busfahrers verursacht wurde, was wie gesagt meiner Meinung nach mehr als wahrscheinlich ist. Der Busfahrer sei viel schneller gefahren, als das Tempolimit erlaubt (was hier teilweise in der Stadt schon bei 70km liegt) und hätte auch nur mit einer Hand gesteuert. Deswegen habe er die Kontrolle verloren. Die Busgesellschaft „vermutet“ das ein unbekanntes Fahrzeug den Bus gerammt habe. Aber mitgekriegt hat davon niemand etwas. Außerdem hat der Bus (nicht der Busfahrer selbst!) seit 2009 schon 22 „Strafzettel“ erhalten, davon sechs wegen überhöhter Geschwindigkeit, drei wegen Nichtbeachtung der roten Ampel(hier nicht ungewöhnlich, besonders unter Busfahrern) und eine wegen Fahren auf der falschen Straßenseite!!! Ich muss aber doch sagen das es ab und zu auch Busfahrer gibt bei denen ich mich sicher fühle und die mal fahren als würde ihnen nicht der Teufel im Nacken sitzen. Aber die sind glaub ich auch schon vom Aussterben bedroht!

(Quelle: Destak Rio)

Calcinha e Camisinha

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Eine neue Sprache zu lernen heisst für mich vor allem viel Spaß zu haben. Ich erinnere mich noch genau, wieviel ich gelacht habe über die ganzen Fehler die unsere Gastschüler aus anderen Ländern gemacht haben, sehr zu deren Mißvergnügen. Ich persönlich finde es super, wenn andere Leute Spaß haben an meinen Fehlern, solange sie mir erklären was ich gerade wieder für einen Quatsch gelabert habe und ich mitlachen kann. Das fördert auch viel mehr die Bereitschaft der Gesprächspartner sich mit einem zu befassen. Hier soll es nun um eben eine dieser tollen Versprecher gehen. Der beste den ich mir bisher geleistet habe und den ich auch nicht mehr vergessen möchte.

Zur Vorgeschichte: Ich habe einen Text für meinen Portugiesischunterricht zum Thema Diminutiv – Verniedlichungsform – gelesen und wollte das natürlich auch gleich anwenden. Lustigerweise habe ich mir aber genau die zwei Wörter rausgesucht die im Diminutiv eine völlig andere Bedeutung haben.

Ich möchte heute gerne endlich Fotos von den Capoeiristas machen und hätte gerne, dass sie die traditionelle weiße Kleidung dazu tragen. Also habe ich dem einen gesagt das es toll wäre, wenn sie „Calcinhas“ tragen würden, was die Verniedlichungsform von Hosen wäre, allerdings Höschen heisst und hier das Wort für den Damenslip darstellt. Sprich, alle Capoeiristas werden nach meiner Anweisung weiße Slips tragen. Bei der Geschichte habe ich mich schon schlapp gelacht. Es kommt aber noch besser. Ich wollte die gleiche Geschichte dann wenigstens bei den Hemden richtig machen und habe dem nächsten erzählt das sie alle „Camisinhas“ tragen sollen. Das sind hier allerdings keine Hemdchen sondern Kondome. Also werden alle als Kondome verkleidet mit weißen Slips antanzen. Hoffe ich zumindest, schließlich habe ich das ja vorgeschlagen!

Ein Wochenende auf der Farm

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Letztes Wochenende war ich mit Freunden zum geburtstagfeiern auf einer Farm in Minas Gerais, mitten im Nirgendwo. Es war einzigartig! Ich wollte eigentlich einiges dazu schreiben, aber im Moment fällt mir das alles nicht ein 😉 , aber das macht nix denn es gibt ja Gott sei Dank die Fotoreportage dazu. Seht selbst. Beijos

Nun geht‘s langsam dem Ende zu

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Hallo ihr Lieben, gerade wird mir bewusst, dass der Aufenthalt in Rio nun tatsächlich dem Ende zugeht. Drei Tests auf Portugiesisch schon geschrieben (das Ergebnis war gar nicht so übel 😉 ) und gerade dabei zwei Präsentationen vorzubereiten. Und eben eine dieser Präsentationen bringt mich nun auf den Boden der Tatsachen zurück, dass das Semester bald zu Ende ist, aber zeigt mir auch auf, was ich hier schon für tolle Sachen erlebt habe. Für meinen Kurs in Marktforschung soll ich einen Vortrag über die Unterschiede zwischen Deutschland und Rio machen und ein bisschen von meinen Erfahrungen bei diesem Austausch sprechen. Dafür habe ich gerade ein in meinen eigenen Blog gelinst, denn der stellt ja nun auch mein Tagebuch dar. Auf jeden Fall ist es toll zu sehen, was denn tatsächlich alles schon passiert ist (nicht gerade wenig will ich meinen) und vor allem die verbleibende Zeit noch zu nutzen. Derzeit geht es mir hier ausgesprochen gut. Die Anfangsverliebtheit in Rio ist wieder zurückgekehrt und ich genieße hier jeden Tag. Vor allem der „Herbst“ hier gefällt mir richtig gut. Es regnet zwar heute (und für den Rest der Woche sagt der Wetterbericht nichts anderes), aber wenn die Sonne scheint ist es berauschend schön. Es ist meistens nicht mehr so heiß und das Wetter erinnert mich immer daran, wie ich mir das Wetter zu Ostern in Deutschland immer vorstelle/wünsche. Ein Grund warum es mir hier so gut geht ist auch, dass ich das Gefühl habe es läuft alles perfekt. Ich habe eine tolle Capoeira Gruppe, bin ab und zu mit einer Freundin aus der Uni und deren Freunden zum Tanzen am Wochenende unterwegs (oder mit den Capoeiristas, oh je den Cachaça von diesem Wochenende spür ich noch) und bin schon mitten in Rio+20 involviert. Dazu gleich mehr, aber erst will ich noch meine Begeisterung für die Samba mit euch teilen. Ich bin leider völlig unfähig es zu erlernen (was nicht heißen soll, dass ich es nicht ausgiebig mit Hilfe der Brasilianer versucht hätte, sie sind wirklich ein geduldiges Volk!!!), aber es ist auch einfach nur hinreißend das Ganze zu beobachten. Es ist einfach so anders als bei uns in Deutschland. Paartanz bei jungen Leuten ist ja eher verpönt, umso schöner ist es hier das Rhytmusgefühl und die Leidenschaft der jungen Brasilianer bei diesem Tanz zu sehen. Fließende Bewegungen ohne Nachdenken und dieser Einklang zwischen Mann und Frau ist einfach nur zum träumen und wünschen man könnte es auch. Aber dafür bin ich wohl im falschen Kulturkreis aufgewachsen 🙂

Nun zu Rio+20. Im Planetarium direkt neben der Uni finden derzeit schon Veranstaltungen statt und während Rio+20 ist da auch ganz viel los, was von Humanitare, einer Organisation die mit der UN zusammen arbeitet, organisiert wird. Und für die mach ich Fotos, die dann an die Presse weitergehen und ins Netz. Endlich mal wieder nicht nur für mich fotografieren! Im Juli kommt dann auch endlich Matthias zu Besuch und im August bin ich noch auf der Weltkonferenz der studentischen Unternehmensberatungen in Paraty, bevor es dann heimwärts geht.

Ich drücke euch alle und freu mich auch schon auf zu Hause, aber nun heißts erstnochmal die letzten drei Monate hier genießen.

Beijos do Rio

Eure Leni

Die letzten 3 Wochen in Bildern

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Ich melde mich zurück. Ich bin nicht abhanden gekommen nur ein bisschen faul gewesen. Nu habe ich den ganzen Nachmittag Bilder fertig gemacht und bin selbst nun auch völlig fertig. Es ist ne ganze Bandbreite. Man kann auch in Etappen gucken.

Ganz liebe Grüße aus dem etwas kühlen und überhaupt wetterschlechtgelaunten Rio (das lange Wochenende ist leider völlig ins Wasser gefallen, 4 Tage Dauerregen).