Archiv für den Monat Februar 2012

Die Uni geht los!

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So nu war er endlich da, der erste und heißersehnte Tag in der PUC. Ich war doch überrascht, wieviel ich verstanden habe. Bei dem ersten Kurs (Direção de Arte – ich weiß nicht wie ich das übersetzen soll) ca. die Hälfte, was erstaunlich ist. Bei Marktforschung hab ich vielleicht ein Viertel verstanden. Von meinem Portugiesisch Kurs brauchen wir gar nicht sprechen, der ist ja nun für mein Sprachregel. Auf jeden Fall scheinen meine bisherigen Kurse spannend zu werden. Aber fangen wir mal bei den kleinen Schwierigkeiten an.

Ich musste erst mal den Raum finden für meinen ersten Kurs. Der sollte im 6. Stock sein. Ich also in den mit dem Fahrstuhl in den 5., da der nicht weiter hoch fuhr und dann noch ein Stockwerk gelaufen. Aber den Raum trotzdem nicht gefunden. Also fragen. Dann feststellen, dass das Stockwerk durch eine Mauer getrennt ist und ich wieder ein Stockwerk runter müsste, dort den Flur ganz entlang laufen und dann wieder ne Treppe nach oben. Also los! Dort angekommen war ich mir dann nicht mehr ganz so sicher ob ich richtig bin. Der Flur war sozusagen auf dem Dach und so schmal, dass ich gerade durch passte, könnt ihr unten sehen. Auf jeden Fall hab ich einen Raum mit der passenden Nummer gefunden. Dort hat man sich allerdings über mein Erscheinen gewundert und mir mitgeteilt das ich im falschen Gebäude sei und ich nach gegenüber müsste. Langsam war ich schon ziemlich spät dran. Also die 6 Stockwerke wieder nach unten und über den Campus zum anderen Gebäude. Da die eine Treppe so voller Menschen war dachte ich mir ich nehm einfach die andere. Ob das wohl eine gute Idee war? Also zu Fuß in den 6. Stock (beim Fahrstuhl muss man sich hier in ne Schlange stellen) und feststellen, den Raum gibt‘s hier gar nicht und dann mal wieder aufklären lassen, dass ich im falschen Gebäude sei. Dabei sah es eigentlich so aus, als wärs das richtige, die sind auch äußerlich aneinander gebaut, aber innen kann man halt nicht durch. Na toll. Also zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wie Asterix in dem Irrenhaus wo er von einem Schalter zum nächsten Geschickt wird mit Formular A397b usw. Ich hab mich aber doch wieder auf den Weg gemacht und den Raum endlich im dritten Anlauf erreicht, gemeckert wurde auch nicht weil ich so spät war und dann konnte der Tag losgehen. War trotzdem alles in allem ein schöner Tag. Ach ja mir ist dann noch aufgefallen, warum ich auffallen würde in einem Raum mit Brasilianern. Alle außer mir hatten die Tasche auf dem Tisch (wir waren wohlgemerkt in einem Computerraum, der wenig Platz dafür ließ).

Ansonsten kann ich noch berichten, dass ich heute zum ersten Mal das Fahrradsystem „Bike Rio“ hier genutzt habe. Man kann ein Fahrrad in einer Station in der Stadt entnehmen und in einer anderen Station das Fahrrad wieder abgeben. Dafür braucht man dann einen Account den man im Internet erstellt, fälschlicherweise dachte ich ich bräuchte eine Steuernummer, die ich nun auch habe, was aber gar nicht nötig ist. Aber das Fahrradfahren hier benötigt noch einiger Übung bzgl. des Verkehrs. Ich werd‘s schon hinkriegen. Der Abschlussbericht zum Karneval mit Besuch des Sambódromos folgt noch in Kürze, aber die Bilder müssen erst hergerichtet werden.

Der besagte Flur!

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Carnaval mit einem lachenden und einem weinenden Auge

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Nun ist der große Rummel erst mal vorbei. In der Hitze war es ganz schön anstrengend und ich habe auch gleich mal schlechten Gewissens einen Tag ausgelassen. Ich brauchte eine Verschnaufpause. Es hat viel Spaß gemacht die letzten Tage in Horden von Menschen zu stecken und munter mitzufeiern. Wobei es hier ganz unterschiedliche Veranstaltungen mit auch wirklich unterschiedlichem Publikum gab. So habe ich die Feiern im Centro sehr viel mehr genossen, da sich das Publikum mit tollen Verkleidungen (auf portugiesisch Fantasia) und mit angenehmen Verhalten hervorgetan hat. Von den Veranstaltungen im südlichen Rio, wie Copacabana und Ipanema habe ich mich lieber ferngehalten, die Leute da hatten eine ganz andere Ausstrahlung, vielleicht kann man sie mit einer gewissen Aggressivität betiteln. Was ich bei den Umzügen total erstaunlich fand, wie die Massen sich bewegt haben. Es war ein einziger Fluss, die Menschen sind mühelos aneinander vorbeigezogen, und hat man sich im Gewimmel mal verloren, so hat man sich auch schnell wieder gefunden. Und sollte man sich doch längerfristig mal nicht wieder finden, war das hier völlig entspannt. Na dann sieht man sich halt zwei Stunden später per Zufall wieder, selbst beim eigenen Partner gab‘s keine Aufregung. Außerdem habe ich hier über das Wochenende immer wieder die gleichen Leute gesehen, keine mir bekannten Personen, aber wiederzuerkennende. Das ist mir auch unbegreiflich. Schließlich waren hier auch mehrere Millionen Besucher und in Berlin ist mir das bisher auch noch nicht passiert.

Aber der Carnaval war nicht nur ein einziges Freudenspektakel. Für mich war es doch auch belastend zu sehen, wie die einen Menschen ausgelassen feiern und die ärmere Bevölkerung bis zur Erschöpfung schuftet um den anderen den Spaß zu ermöglichen. Besonders die Kinder haben mir leid getan. In der Hitze. Aber die Welt ist wie sie ist und die Menschen selbst nehmen das Leid wahrscheinlich ganz anders wahr und sind dankbar für den Carnaval, weil sie die Möglichkeit haben Geld zu verdienen. Vor allem bin ich ja auch hier um genau diese Gegensätze kennenzulernen!

Am Samstag geht’s für mich und ein paar andere Austauschstudenten noch ins legendäre Sambódromo zur Abschlussshow der Gewinner-Sambaschulen. Ich freu mich sehr drauf!

Ein Privileg hier sein zu dürfen

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Den Karneval in einer Stadt wie dieser verbringen zu dürfen ist echt ein Geschenk. Überhaupt die Möglichkeit zu haben hier 6 Monate zu wohnen, dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin ja ein Mensch der ans Schicksal glaubt, bisher bin ich damit sehr gut gefahren. Heute war wieder so ein Erlebnis. Eigentlich wollte ich schon gestern Abend mit anderen Austauschstudenten die Stadt unsicher machen, aber durch Kommunikationsprobleme (das Handynetz ist mal wieder überlastet, und wenn man nicht vorort bei den anderen ist kriegt man auch nicht mit was wann abgeht) habe ich den Abend dann doch zu Hause verbracht. Das wollte ich aber heute nicht nochmal erleben und habe mich entschieden zumindest mittags erstmal zu einem Beachvolleyball Kontest zugucken zu gehen, da alle anderen noch geschlafen haben, oder gerade auf dem Weg ins Bett waren und ich keine Lust hatte alleine durch die Stadt zu tingeln, obwohl es überall Blocos gab. Ich also zur Bushaltestelle. Dort habe ich dann zufällig eine meiner Capoeiristas getroffen, die mich kurzerhand eingesackt hat und dann ging die Party los. Mit ihren Freunden dann also ab ins Centro. Da ist mir keine Langeweile mehr aufgekommen und ich bin froh, dass ich den Tag nicht mit anderen Austauschstudenten Englisch-sprechend verbracht habe, sondern kennenlernen durfte wie die Brasilianer Carnaval feiern. Außerdem sind wir dann so gegen 20.30h nach Hause um morgen den Tag wieder frisch anzugehen. Das kommt meinem Lebensrhytmus doch sehr entgegen, einige von euch wissen ja was für eine Nachteule ich bin. Wie es denn nun war könnt ihr euch selbst mithilfe der Bilder ausmalen.

Der Karneval in Rio ist unvergesslich und noch nicht vorbei. Ich halt euch auf dem Laufenden.

Nu könnt ihr mal wieder gucken

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-4° und Schnee oder 32° und Karneval?

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Da hatte ich doch eigentlich vor mich in nördliche Gefilde aufzumachen für mein Auslandssemester. Und nun ist alles doch ganz anders gekommen. Aber beschweren will ich mich darüber ganz bestimmt nicht. Schließlich genieße ich die Tage hier mit 32°-35°C und Karneval. Heute war ich den ganzen Tag unterwegs um mir sogenannte Blocos anzugucken und mitzufeiern. Das sind Musikgruppen die auf der Straße einen Umzug veranstalten und tausende Menschen feiern mit. Anfangs war ich noch allein, da ich meine brasilianischen Freunde nicht finden konnte, klar wie auch in den Menschenmassen, wobei ich merkwürdigerweise gleich 2 Bekannte an unterschiedlichen Orten getroffen habe, das ist eigentlich wie die Stecknadel im Heuhaufen, aber soll wohl vorkommen. Auf jeden Fall ist das örtliche Handynetz mit so vielen Telefonen überfordert, sodass diese einfach keinen Empfang haben. Aufgrund der „Einsamkeit“ war es anfangs also überhaupt nicht amüsant. Ich konnte auch nicht so richtig mitfeiern, man fühlt sich eben doch als Gringa und außerdem fehlt auch das Verständnis für so ein Fest. Das änderte sich allerdings schlagartig, als ich meine Gruppe dann gefunden hatte. Zuerst waren wir noch in Ipanema, wo der Umzug nicht so mitreißend war. Es gab auch ein gewisses Gefühl von Unsicherheit. So haben wir auch miterlebt wie genau in dem Moment als ich eine Bekannte traf, das Handy ihrer Freundin „abhanden“ gekommen ist. Wir sind deshalb auch nicht allzulange geblieben sondern nach Flamengo umgezogen, ein Stadtteil für alternative Einheimische würde ich mal sagen. Da war’s echt super.Viel familiärer. Es gab super selbstgemachtes Eis aus dem Plastikschlauch, wie wirs als Kinder gegessen haben, allerdings war das Eis aus pürierten Früchten und Cachaça oder Rum. Außerdem konnte ich dem ersten Trommelwunder hier für mich, beiwohnen. Die Gruppe hat ungefähr 1 Stunde lang getrommelt und die Massen haben dazu getanzt. Ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Einfach eine ganz andere Lebensart. Ich fühl mich wohl hier!

Schöner als im Traum

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Heute musste ich leider mal Capoeira schwänzen, weil ich sonst einfach nicht mit meinem Blog hinterherkomme, aber es gibt doch so viele Eindrücke zu teilen. Es soll diesmal vor allem um das Wochenende in Buziós gehen (http://g.co/maps/k4k8a). Hingefahren sind wir vor allem um ein Berimbau zu bauen, aber das Feiern sollte natürlich nicht zu kurz kommen. Freitag Vormittag gings mit vollbesetzten Autos los. Die Fahrerin war geübt und raste so um die Kurven das mir ganz anders wurde, wobei ich das Gefühl hatte, dass sie sicher gefahren ist, wobei ich dazu sagen muss, dass wir im Hellen unterwegs waren. Im Dunkeln, auf der Rückfahrt, sah das schon ganz anders aus.

Nach guten 2 Stunden waren wir dann da. Ich hatte mir vorher gar nicht so recht überlegt, wo wir denn übernachten würden, aber mit dem was dann Tatsache war hatte ich definitiv nicht gerechnet. Ein super Haus mit 3 Schlafräumen unten, einem riesen Wohn- und Esszimmer, einer Küche, zwei Schlafzimmern im Obergeschoss und gefühlten 30Millionen Badezimmer. Und vor allem mit nem ganz schicken Pool im Garten, den ich sonst nur aus den Hollywoodfilmen kenne. Das sollte also unser Domizil für das folgende Wochenende sein. Ich war einfach überwältigt. Außerdem lag das Meer direkt hinter dem Haus vor uns, nicht mal eine Minute Fußweg. Und da gings natürlich als erstes hin. Ich muss zugeben, ich war bisher in Brazilien noch nicht im Meer baden, aber dort wollte ich gar nicht mehr hinaus. Es war wärmer als in der Badewanne und es gab sehr schöne Wellen. Genau das richtige für Fräulein Leni. Außerhalb des Wassers war es auch nicht so heiß, da es in Buziós viel Wind gibt, allerdings ist das auch gefährlich weil man sich schnell verbrennen kann, ohne es zu merken. Ich bin Gott sei Dank lediglich wohlgebräunt in die „Heimat“ zurückgekehrt. Nach dem Bad im Meer gings dann zum Baden in den Pool mit Cachaça im Gläschen. So stellt man sich doch das Leben vor!

Ich hatte Glück und zu der Gruppe gehörte auch ein veganer Brasileiro. So brauchte ich mir keine Gedanken um vegetarisches Essen zu machen, da er auf jeden Fall darauf achten würde. Außerdem kann ich von ihm auch Rezepte für typische brasilianische Gerichte bekommen. Das Haus gehörte übrigens den Eltern von einer der Capoeiristas, deswegen mussten wir auch keine Miete zahlen. Zum Haus gehörte auch eine Hausangestellte. Das ist hier in Brasilien generell gar nicht so unüblich. Auf jeden Fall hat sie sich vor allem um das Essen gekümmert. Die erste Nacht war ziemlich unangenehmen, da die Brasileiros es scheinbar nicht für besonders schicklich empfanden, dass die ganze Damengesellschaft sich schon frühzeitig zu Bett gewagt hat. So bekamen wir dann 3-4 in der Nacht Besuch mit Paukenschlag und Gesang, echt ein ohrenbetäubender Lärm. Morgens um 5 hab ich dann endlich den Schlüssel entdeckt.

Am Samstag war dann großer Basteltag. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es soviel Zeit in Anspruch nehmen würde, diese Berimbau anzufertigen. Es hat aber auf jeden Fall riesen Spaß gemacht und ich konnte mein selbstgebautes Musikinstrument am Ende mit nach Hause nehmen. Ich habe euch eine kleine Dokumentation des Produktionsprozesses zusammen gestellt.

Die zweite Nacht war wesentlich angenehmer. Die Herren hatten sich scheinbar eingelebt und haben die Nacht bei Bier und Cachaça diesmal entspannt verbracht. Hier weiß man allerdings echt zu feiern. Als ich morgens um 9 aufgestanden bin waren die noch nicht im Bett. Der Sonntag ging dann entspannt zu. Wieder ne Runden im Meer baden, evt. noch ein bisschen am Instrument rumbasteln, abends gemeinsam Pizza essen und um kurz nach 12 bin ich dann mit einem Teil der Gruppe gen Heimat gereist. Einige Leute sind noch bis Montag geblieben. Ich bin echt froh im Nachhinein, dass ich so müde war während der Autofahrt, denn immer wenn ich die Augen offen hatte, wurde mir eher unüblich im Magen. Hier ist scheinbar alles gang und gäbe was bei und in Deutschland verboten ist. Da fährt man ganz dicht auf den Vordermann auf, blinkt munter um dem anderen klar zu machen, dass man da durch will, oder gibt auch Lichthupe von hinten. Vor allem aber ist man hier ein schnelles Tempo in den Kurven gewöhnt, sodass ich meine Sitznachbarin bei jeden zweiten Kurve auf dem Schoß hatte. Auf jeden Fall bin ich heile wieder zu Hause angekommen und muss sagen, ich habe mich auch sehr auf „zu Hause“ gefreut. Ich vermisse meinen Christo doch schon ein bisschen des Nachts. Das Wochenende war ein einmaliges Erlebnis und hat hoffentlich vor allem meine Portugiesisch Kenntnisse ein bisschen auf Vordermann gebracht. Ich denke schon unheimlich viel in Portugiesisch und des nachts kann ich nicht richtig schlafen, weil ich mir immer überlegen muss, was dieses und jenes heisst. Für heute ist erstmal genug mit schreiben. Ich weiß bei euch ist es bitter kalt, aber vielleicht bringen ja die Fotos ein bisschen Sonne und warme Gedanken ins kalte Deutschland. Es grüßt ganz lieb aus der Ferne, die Leni.