Archiv für den Monat Januar 2012

Yippie, bald ist Carnaval

Standard

Und ich geh hin. Beim Karneval gibt es einen Hauptveranstaltungsort, das Sambódromo, wo alle Sambaschulen aufführen. Das ist so der klassische Karneval den wir vor Augen haben, wenn wir an Rio denken. Das darf man natürlich auf keinen Fall verpassen. Wir werden also bei den Feierlichkeiten ordentlich mitmischen. Die Karten (wir haben die Günstigsten erwischt) kosten um die 60€ pro Person für einen Abend. Wir sind bei der Siegershow am Samstag, 25.02., dabei. Hier könnt ihr mal gucken, wie das Ganze so aussieht. http://www.rio-carnival.net/ Und nach dem Event kriegt ihr natürlich meine Bilder präsentiert. Ich hoffe meine SLR-Kamera ist zulässig, professionelle Videokameras nämlich nicht.

Aber diesen Mittwoch geht‘s erstmal zum Fußball ins Stadion. Ich muss zugeben, ich war noch nie zu einem Fußballspiel im Stadion, aber hier muss ich das einfach mal miterleben. Es spielt der Hauptverein von Rio – Flamengo – gegen ein Team aus Bolivien, soweit ich das mitgekriegt habe. Wir haben heute die Karten organisiert, und echt super ist in Brasilien, dass Studenten immer nur den halben Preis zahlen. Deswegen haben wir auch teurere Karten genommen.

Und wer mischt bei dem Verein munter mit? Jawoll, ich hab zwar keine Ahnung von Fußball, aber den Namen Ronaldinho hab ich wohl schon mal gehört. Den muss ich mir dann am Mittwoch zeigen lassen, denn ich erkenn ja sowieso niemanden. Auf jeden Fall spielt man hier ziemlich spät abends. Um 22h solls losgehen, mal sehen ob das was wird, wir sind ja schließlich in Brasilien.

Der Sprachkurs ist nun auch schon fast vorbei. Am Mittwoch haben wir noch einen mündlichen Test und Donnerstag noch einen schriftlichen. Freitag ist dann schon frei. Morgen geh ich zur Polizei um mich anzumelden. Die Uni hat das Ganze für uns organisiert und wir sind morgen in einem riesen Pulk da (ca. 25 Leute). Ich hoffe das dauert nicht ewig, mal sehen. Während der Wartezeit werden wir wohl unsere portugiesisch Unterlagen eingehend studieren. Wie gerade schon erwähnt geht ab Freitag die Freizeit los, das muss ich natürlich ausnutzen und deshalb geht‘s fürs Wochenende nach Buziós mit meiner Capoeira Gruppe. Ich freue mich auf kristallklares, das hoffentlich nicht zu kalt ist, sonst trau ich mich nicht rein (ich war hier tatsächlich noch nicht im Meer baden). Eigentlich fahren wir nach Buziós für einen Workshop bei dem wir ein „Berimbau“ bauen werden. Das ist das Hauptmusikinstrument bei der Capoeira. Nähere Infos gibt‘s dann nach dem Wochenende. Jetzt geht‘s aber erstmal gleich zum Training.

So kauft man hier Fußballtickets

Advertisements

Langsam kehrt Gewohnheit ein

Standard

Nach nunmehr 3 Wochen Aufenthalt kehrt hier langsam eine Gewohnheit ein in Rio zu leben. Das ist eigentlich ganz angenehm, da man nicht mehr permanent unter Strom steht und der Körper endlich mal ein bisschen Erholung bekommt. Man erschreckt sich nicht mehr bei jedem Geräusch und man nimmt auch alles nicht mehr ganz so genau unter die Lupe. Trotzdem bleibt das Leben hier spannend. Am Wochenende war ich mit einer holländischen Studentin in Petropolis, einer Stadt in der Nähe von Rio (ohne viel Verkehr eine knappe Stunde von Rio entfernt). Im 19. Jahrhundert hat sich dort ein deutscher Kaiser einen Sommersitz eingerichtet, und weil es da so schön war sind dann auch viele andere Deutsche nachgekommen. Der Einfluss ist eindeutlich in der Architektur zu erkennen (es gibt unmengen Fachwerkhäuser) und auch bei dem ein oder anderen Garten meinte ich die penible deutsche Ader zu erkennen, in den kurzgeschorenen Rasenflächen. Ich fand den Ort unheimlich schön. Vor allem aber haben wir traumhaft schöne Tiere gesehen, schon alleine dafür hat sich er Ausflug gelohnt.

Gestern war ich dann mit meiner Vermieterin abends auf einem Nebenhügel des Corcovados (auf dem Corcovado steht der Christo), weil es besonders klar gestern war und wir eine entsprechend tolle Aussicht über beide Teile von Rio hatten. Ich habe sogar Capoeira dafür geschwänzt.

Heute war ich dann bei einem Konzert in einem Einkaufszentrum, etwas außerhalb der Innenstadt. Eine berühmte Rioer Band (Rioansässige nennen sich übrigens Carioca) hat gespielt. Genau meine Musik. Vor allem sehr lebendig. Die Gruppe bestand aus 9 Leuten mit Trompete und Querflöte. Die Musikrichtung ging so in Ska gemischt mit Samba-Rhythmen.

Hier herrschen andere Sitten

Standard

Es passiert hier jeden Tag soviel, dass ich eigentlich täglich schreiben müsste.

Es war ein aufregendes Wochenende. Am Freitag Abend waren wir wieder bei unser Capoeira Gruppe. Wegen eines Geburtstags fand kein normales Training statt, sondern es wurde nur gespielt und gefeiert. Und vor allem wieder viel Portugiesisch gesprochen. Ich werde jeden Tag besser. Begeisterung! Wir haben natürlich wieder mitmachen „müssen“. Man wird hier echt gut gepusht. Bisher kann ich ja leider noch nicht so viele Moves beim Capoeira, aber wenn es so weitergeht kann es nicht lange dauern, bis ich auch da besser werde.

Die letzten beiden Tage waren echt ziemlich heiß, so um die 35°, wobei mir gesagt wurde, dass wir dieses Jahr „La Niña“ haben und es deswegen hier nicht so heiß ist wie sonst, Gott sei Dank, ich weiß nicht ob ich 45° ertrage. Auf jeden Fall war ich gestern das erste mal richtig am Strand. Auf der Busfahrt dahin hatte ich auch ein lustiges Erlebnis. Wir mussten nach der Hälfte der Strecke alle den Bus wechseln da er voller Käfer war und die Fahrgäste alle geschrien haben. Hier gibts eben viel Geviehchsel. Der zweite Bus war natürlich völlig überfüllt, sodass wir stehen mussten, aber das stört die hiesigen Busfahrer überhaupt nicht, man lässt die Kupplung lieber beim Schalten immer reinknallen, damit auch ja alle Gäste umfallen! Am Strand angekommen konnte ich echt nicht fassen wir voll es war. Ich musste mich abholen lassen, ich hätte die anderen sonst echt nicht gefunden. Der Sand war so heiß, dass man rennen musste und zwischendurch immer mal wieder im Schatten stehen musste um den Füßen kurz Erholung zu gönnen. Wir saßen ziemlich dicht am Wasser, was über längere Zeit gar kein Problem war. Bis auf einmal ne Welle kam und die erste Reihe mitten im Wasser lag. Alles nass!

Abends war ich dann mit einem anderen Studenten auf der Geburtstagsparty einer Brasilianerin. Am Strand. Das war schon echt ziemlich schön. Bis es dann eine dolle Husche gab. Wir waren so nass, als wären wir schwimmen gewesen. Das stört aber die Brasileiros nicht. Danach gings munter weiter. Ich war abschließend total müde. Eine Fremdsprache zu lernen ist unheimlich anstrengend. Aber ich bin wohl schon ganz gut.

Heute war ich mit einer deutschen Freundin, und deren Schwester mit Familie in Rio mit dem Auto unterwegs. Ich habe endlich mal das andere Rio zu sehen bekommen. Gott sein dank saßen wir im Auto. Es ist teilweise echt Furcht einflößend. In einem Stadtviertel hat sich genau vor unseren Augen ne Schlägerei entwickelt. Das ging so schnell. Und die Polizei die vorbei fuhr machte eigentlich keine Anstalten einzugreifen, bis ein Zuschauer sie dazu animiert hat. Dann kamen sie mit gezogener Waffe dazu. Die Schlägerei sah echt gefährlich aus. Je weiter man in die Wohnviertel kommt, desto mehr ändert sich das Erscheinungsbild von Rio. Man bekommt das tatsächliche Leben zu sehen. Den Dreck und die Armut. Wir hatten teilweise Angst Fotos aus dem Auto heraus zu machen.

Dazu fällt mir noch ein, auf dem Heimweg von der Geburtstagsparty haben wir ein Taxi genommen (für mich hier das erste Mal) und der Taxifahrer ist munter über rote Ampeln gefahren. Ich dachte mir dazu nur, naja Nachts ist halt weniger Verkehr und die wollen einen schnell nach Hause bringen. Heute habe ich dann gehört, dass es einfach dem eigenen Schutz dient. Aus Angst vor Überfällen, wenn man anhält. Außerdem hat der Taxifahrer direkt nach dem wir eingestiegen sind das Auto verschlossen. Taxi fahren ist hier übrigens super billig. Wir hatten schon den teureren Tarif, da Samstag Nacht war, und haben für eine Strecke von 15min( durchgefahren und ihr wisst ja das man hier schnell fährt) umgerechnet ca. 7,50€ gezahlt, echt super. Da nimmt man doch öfter mal ein Taxi.

Ich war aber eigentlich gerade beim heutigen Nachmittag stehn geblieben. Wir waren noch auf einem Markt, den überwiegend Einheimische besuchen. Das war auch echt ein Erlebnis. Extrem laute Musik, dass man sich die Ohren teilweise zuhalten musste und überall Essen, wo man nur dachte, dass probier ich lieber nicht, sonst rebelliert mein Magen. Ich laufe ja Gott sein dank weniger Gefahr schon alleine dadurch, dass ich kein Fleisch esse. Zum Abschluss waren wir noch in einem Restaurant mit Buffet essen, wobei man hier meistens nach Gewicht bezahlt. Es ist auch meistens ziemlich teuer. Aber das Buffet war sehr ansehnlich, vor allem das Nachtischbuffet, wobei Ausländer immer lieber nur wenig probieren sollten, da die teilweise Speisen unerträglich süß sind. Alles ist hier teuer. Eluisa hat mir erzählt, dass sie letztens ein zwei Eiskugeln für umgerechnet 8€ gekauft und ein Päckchen Babybel (Inhalt 5 kleine Käse) für 10€ gesehen hat. Wahnsinn.

So ist also das Leben in Rio.

Die Schule hat begonnen

Standard

Nun hat der Sprachkurs endlich begonnen. Das ist auch echt nötig. Hier spricht außerhalb der Uni kaum jemand Englisch. Also müssen Hände und Füße zur Verständigung beitragen. Gott sei Dank haben wir aber das Gefühl jeden Tag was zu lernen, und ich meine, dass das auch tatsächlich so ist. Ich fühle mich an meine Anfangszeit in Rom erinnert, wo wir kaum was verstanden haben, in der Schule Musik gehört haben und einen Lückentext ausfüllen sollten, damals aber auch nichts verstanden haben. Wenn ich die Lieder heute höre wundere ich mich immer, wie ich das damals nicht verstehen konnte. Deswegen bin ich auch guter Dinge was meine kommenden Sprachkenntisse angeht.

Portugiesisch ist für Ausländer ziemlich tückisch. So wurden wir schon auf einige Wörter hingewiesen, die ungefähr gleich klingen (besonders für Ausländer) aber unangenehme Verwechslungen bieten. So ist das Wort für Brot fast identisch mit dem Wort Schwanz. So hat nun auch schon eine Kommilitonin beim Bäcker einen Käseschwanz statt eines Käsebrots bestellt, natürlich zur Belustigung aller anderen Anwesenden, aber da müssen wir wohl durch. Mit der Kokosnuss ist es nicht anders. Das kann man leicht mal mit Kacke verwechseln. Ich hoffe in einem halben Jahr bin ich darüber hinaus. Die Sprache bietet eben viel Amusement. Ein Milchshake wird hier Milky Shaky ausgesprochen.

Am Wochenende war ich zu Fuß in der Stadt unterwegs und habe dabei schöne Musik gehört („Die fabelhafte Welt der Amélie“) und es hat sich angefühlt als wäre ich in nem Film. Sehr überwältigend. Nun nach einer Woche kehrt aber glücklicherweise auch schon langsam ein bisschen Gewohnheit ein, sodass man zumindest äußerlich hoffentlich nicht mehr allzu schnell als Gringa erkannt wird. Und endlich habe ich mich hier ein bisschen an das Bussystem gewöhnt und eine gewisse Orientierung gewonnen.

Es gibt hier an den meisten Bushaltestellen weder einen Namen derer (ich weiß immer noch nicht wie meine heisst) noch Nummern welche Busse hier fahren und auch nicht wohin sie fahren. Außerdem muss man den Bus auch immer heranwinken. Das gestaltet sich manchmal etwas schwierig, da die ja mit nem Affenzahn ankommen (man darf 70km/h in der Stadt fahren). Außerdem kosten die auch alle unterschiedlich, selbst auf der gleichen Linie, da manche klimatisiert sind, andere nicht. Ich habe aber keine Lust mehr zu zahlen, also winkt man teilweise auch erst im letzten Moment, sobald man erkannt hat, wo der Bus langfährt (die Haltestellen werden im Wechsel vorne angezeigt) und was er kostet. Die Busse halten aber auf jeden Fall, teilweise dann eben 10 Meter von der Haltestelle entfernt.

Für Ausländer ist der Fahrstil etwas gewöhnungsbedürftig. Am Anfang habe ich mich permanent festgehalten, da sehr plötzlich auf die Bremse gelatscht wird. Die Fahrer scheinen immer erst im letzten Moment eine Haltestelle zu bemerken, selbst wenn Stop gedrückt wurde. Ich könnte ein ganzes Buch zu den Bussen schreiben. Eine Anekdote möchte ich hier aber noch anbringen. In den Bussen gibt es immer ein Drehkreuz das man passieren muss. Ich dachte mir schon am Anfang, dass ich da bestimmt mal drin stecken bleiben würde. Mir selbst ist es bis jetzt zum Glück noch nicht passiert (kommt bestimmt noch), aber eine alte Dame ist mit dem Arm stecken geblieben (der war schon verbunden, also vielleicht ist das nicht das erste Mal passiert). Der Busfahrer musste dann aufstehen und es hat bestimmt fünf Minuten gedauert, bis das Problem gelöst war. Außerdem frage ich mich wie dicke Menschen durch das Drehkreuz kommen, es bietet nicht besonders viel Platz.

Ich entschuldige mich vielmals für mein schlechtes Deutsch. Hier kommuniziere ich nur in Englisch (das ist echt schon viel besser geworden) und Portugiesisch.

Muitas saudações do Rio de Janeiro

Hier könnt ihr mal gucken

Standard

Schwupp, schon sind wir über den Teich.

Standard

Nun ist die Reise über den großen Teich also erledigt. Genau in diesem Moment zwitschert ein Vogel direkt neben meinem Fenster, als würde er schon fast in meinem Zimmer sitzen. Herrlich mal wieder Vögel zu hören. Ich habe schon die ersten Fotos gemacht, obwohl es erst 6 Uhr morgens hier ist. Der Ausblick ist einfach phänomenal. Als ich heute Nacht ankam war ich schon echt überwältigt. Ich wohne direkt am Hang und wenn ich im Bett liege ( oder auch aus dem Fenster schaue), dann sehe ich den Jesus hoch oben über mich wachen. Ich kann euch sagen, dass ist so beeindruckend, es verschlägt mir fast den Atem.

Aber fangen wir mal am Anfang der Reise an. Früh aufstehen ist blöde, das wissen wir alle. Geschafft haben wirs trotzdem und Online Checkin ist echt ne super Erfindung. Ich bin echt überrascht, wie wenig Leute das bis jetzt in Anspruch nehmen. Das hat also alles prima geklappt. In Berlin sind wir pünktlich weggekommen und in London sogar zu früh gelandet. Darüber freut man sich normalerweise wohl, aber ich hatte ja leider nur Aufenthalt, und den auch nicht zu knapp. Überraschend fand ich, dass man nochmal in den Security Check muss in London (hatte ich ja eigentlich schon in Berlin erledigt), und die sind da ein „bisschen“ genauer als bei uns.

Ich hab mich also die folgenden vier Stunden auf dem Flughafen amüsiert. Unheimlich viele Leute unterwegs. Bei meinem Gate allerdings war es echt super ruhig und schön, leider erfährt man das aber erst kurz vor Abflug, sodass ich ausgiebig die Gesellschaft von vielen anderen Reisenden aus aller Welt genießen konnte.

Beim Flug London – Rio sind wir mit 45min Verspätung gestartet, und das obwohl wir alle pünktlich im Flieger saßen. Da saß ich echt auf Kohlen. Schließlich sollte es nach Rio gehen und ich wollte natürlich schnellstmöglich hin und nicht irgendwann. Der Flug war überraschend angenehm. 11,5h, davor hat es mich ein bisschen gegruselt, aber entweder mein Sitzplatz war echt top, oder es ist halt einfach nicht so schlimm, wie man es sich ausmalt. Die Busreise nach London vor einem Jahr war wesentlich unbequemer!

Auf jeden Fall sind wir in Rio gelandet und wie das dann so ist, kommt das eigene Gepäck ja doch immer am Schluss. Aber der Abholservice der Uni hat super geklappt. Ich hab gleich noch zwei Artgenossen (PUC Austauschstudenten) getroffen, die mit der gleichen Maschine gekommen waren, na sowas. Auf jeden Fall mach ich mir jetzt nicht mehr solche Gedanken, was das Portugiesisch angeht. Ich bin nicht die Einzige, die den Sprachkurs in Level 1 belegt. Unserer Fahrer hat sich schon munter mit uns unterhalten, und ich konnte gleich anfangen mit den Lerneinheiten. Und das um zwei Uhr nachts (MEZ) nach einer langen Reise.

Es war spektakulär die Fahrt zu unseren Unterkünften, zum einen natürlich total warm (22°) und dann überall Weihnachtsschmuck, sehr amüsant.

Wohnen tu ich im 10. Stock mit Dachterrasse und Blick wie gesagt auf den Christo. Heute gehts auch schon um acht in der Uni los, zum Alles kennenlernen. Also auf gehts.